30.01.2009 | Nordbayerischer Kurier (Bayreuth)
So üppig wie im vergangenen Jahr wird das Fördergeld für Kleinkläranlagen 2009 nicht sprudeln. Darauf bereitete Melanie Huml, Staatssekretärin im bayerischen Umweltministerium, gut 150 Experten, die gestern aus ganz Bayern zum 3. Seybothenreuther Abwassertag gekommen waren, vor.

Mit gut 80 Millionen Euro hatte der Freistaat in der Vergangenheit den Bau von knapp 30 000 Kleinkläranlagen unterstützt – allein 2008 lag die Förderung bei knapp 30 Millionen Euro. Dass der Freistaat zuletzt deutlich über den eigentlichen Ansatz hinaus investiert hatte, habe den Förderstau aufgelöst, erklärte Melanie Huml gestern. Aber: „Wie viel Geld wir dieses Jahr zur Verfügung haben, steht noch nicht endgültig fest“, so die Staatssekretärin. Je nach Zahl der Anträge könne sie nicht ausschließen, „dass es wieder zu gewissen Wartezeiten kommen kann“. An der Förderung selbst wolle die Staatsregierung allerdings festhalten, sie zeitlich gar weiter ausbauen. Huml konkret: Es sei politischer Wille, die Förderung über die derzeitige Laufzeit der Förderrichtlinie bis Ende 2010 hinaus fortzuführen.
Eine Erfolgsgeschichte
Im bayerischen Umweltministerium hält man dezentrale Abwasserbeseitigung mit Hilfe von Kleinkläranlagen für eine Erfolgsgeschichte. Langfristigen Prognosen zufolge werden drei Prozent der bayerischen Bevölkerung ihr Abwasser dezentral über dann etwa 100000 Kleinkläranlagen entsorgen. Damit sorgen Kleinkläranlagen für einen beträchtlichen ökologischen Vorteil: Noch vor wenigen Jahren haben nach Angaben der Staatssekretärin die dezentral entsorgenden Einwohner – damals etwa sechs Prozent der bayerischen Bevölkerung – bayerische Gewässer erheblich mehr belastet als die gesamten 94 Prozent der zentrale entsorgenden Einwohner zusammen.
Was sich bei allem Fortschritt nicht ändern soll: Abwasser soll den Geldbeutel der Bürger auch in Zukunft nicht über Gebühr beanspruchen. Die bayerischen Abwassergebühren, darauf wies Melanie Huml ausdrücklich hin, zählten mit rund 100 Euro pro Bürger und Jahr zu den niedrigsten in Deutschland. Damit dies so bleibe, sei die Grundlage der staatlichen Förderpraxis, die Förderrichtlinie RZWas, bei gleich bleibenden Konditionen bis Ende 2012 verlängert.
Die bayerische Spitzenstellung spreche aber auch für die Art, wie im Freistaat Abwasserbeseitigung organisiert ist. Die liegt in den Händen der Städte und Gemeinden – „und genau da ist sie auch bestens aufgehoben“. Liberalisierungsbestrebungen der Europäischen Union lehne die bayerische Staatsregierung klar ab. Diese Haltung erfordere aber Bereitschaft, die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit des bayerischen Systems unter Beweis zu stellen. „Das Projekt Benchmarking Abwasser in Bayern bietet dafür eine ideale Plattform“, schrieb die Staatssekretärin gestern vor allem den Vertretern der Kommunen ins Stammbuch. Und: Auch kommunale Zusammenarbeit könne ein Baustein sein, um Abwasserentsorgung effizienter zu machen.
Dass Bayerns Gewässer von hoher Güte sind, habe maßgeblich mit den Fortschritten der Abwasserbeseitigung in den vergangenen 60 Jahren zu tun. Zwei von drei Fließgewässern, so Melanie Huml, gehörten in die Güteklasse II, seien also mäßig oder gar nicht belastet. Bayerische Seen hätten Badegewässerqualität, das Trinkwasser sei exzellent: Über 90 Prozent seien aus Grund- und Quellwasser gespeist. Zwei Drittel davon gelten als naturrein und bedürften keinerlei Aufbereitung.
Gewässerschutz wirkt
„Das alles ist das Ergebnis von 60 Jahren erfolgreichem Gewässerschutz in Bayern“, stellte die Staatssekretärin fest. Damals habe es im Freistaat gerade mal 20 kommunale Kläranlagen gegeben, heute sind es rund 2700. Das Kanalnetz sei auf eine Länge von 85500 Kilometer angewachsen. Die Abwässer von 96 Prozent der Bürger würden über gemeindliche Kläranlagen und die eines weiteren Prozentes werde über vollbiologische private Kleinkläranlagen entsorgt. „Vor 60 Jahren waren Schaumberge und Fischsterben ein Thema“, so Huml. „Heute können wir in der Isar baden.“
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HINTERGRUND
Mit etwa 1400 Einwohnern ist die Gemeinde Seybothenreuth eine eher kleine Kommune. In einem aber ist sie ganz groß: In Seybothenreuth sind mit den Firmen Lauterbach-Kießling GmbH und utp umwelttechnik pöhnl GmbH gleich zwei führende bayerische Hersteller von Kleinkläranlagen angesiedelt. Nirgendwo wird intensiver an Kleinkläranlagen entwickelt, nirgendwo wird an einem Ort konzentrierter produziert. Zusammen bringen es Lauterbach-Kießling und utp auf eine Jahresleistung von 6000 bis 7000 Kleinkläranlagen, gemeinsam beschäftigen sie gut 60 Mitarbeiter. Kleinkläranlagen aus Seybothenreuth sind in ganz Europa im Einsatz. Auch in Afrika haben die Spezialisten aus dem kleinen Dorf in Oberfranken schon Anlagen installiert.
In Kooperation mit der Gemeinde veranstalteten die Unternehmen gestern den dritten Seybothenreuther Abwassertag. Zu dem waren mehr als 150 Vertreter von Wasserwirtschaftsämtern, Landratsämtern und Kommunen in die Mehrzweckhalle gekommen. „Wir sind ein Kleinkläranlagendorf“, so Bürgermeister Hans Unterburger gestern zur Eröffnung. „Bei uns wird Umweltschutz großgeschrieben.“